„Wir leben in einem offenen Gefängnis“
Published by Hansjörg Enz on
"Wir leben in einem offenen Gefängnis",
Fast leere Schulzimmer
so beschreibt Bertin Mungombe, unser Gewährsmann vor Ort, am 1. April die Situation in Bukavu und Umgebung, 6 Wochen, nachdem die Rebellenarmee M23 Bukavu eingenommen hat. Die Banken sind weiterhin geschlossen. Wer noch Geld hat, bezahlt mit dem Handy, muss dafür aber 15% Gebühren entrichten. Die M23 hat zwar einen neuen Gouverneur, einen neuen Stadtpräsidenten, neue Bürgermeister und Quartierchefs eingesetzt, von ihnen höre man aber nicht, wie es weitergehen soll. Auf den Strassen sehe man kaum Soldaten der M23, auch keine Polizisten. Die Polizisten, die vor dem Einmarsch nicht geflohen waren, wurden kurz danach nach Goma verfrachtet. Zur „Neu-Orientierung“, wie die M23 bekannt gab. Ohne Polizei sei die Stadt noch unsicherer geworden. Fast jeden Tag höre man/frau von „justice populaire“; das heisst zum Beispiel, dass Menschen, die beim Stehlen erwischt werden, einfach angezündet werden. Soldaten der M23 (?) peitschten weiterhin Leute auf offener Strasse aus, ohne wirkliche Gründe zu nennen. Nach Sonnen-Untergang um 18 leere sich die Stadt, nach 20 Uhr verkehrten keine Autos mehr.
In Bukavu sind Privatschulen geöffnet, es kämen aber nur wenige Kinder zum Unterricht, Eltern haben Angst um ihre Kinder, einige können auch die Gebühren nicht mehr zahlen. Unsre öffentliche Schule in Ikoma , die kein Schulgeld verlangt, ist geöffnet. Lehrerin Neema beklagt, dass letzte Woche manchmal nur 3 ihrer 40 SchülerInnen erschienen. Die Eltern haben Angst ihre Kinder zur Schule zu schicken. In der Gegend gibt es Wazalendo-Rebellen, die die kongolesische Armee unterstützen, aber offenbar jetzt auch beginnen die Seite wechseln. Gefahr geht aber auch aus von Angehörigen der Armee. Nach UNO Angaben gehen etwa 60% der Vergewaltigungen in den beiden Kivu auf Konto der Rebellen, 40% auf das der Armee.
https://www.dw.com/fr/rdc-des-wazalendo-rallient-le-m23/a-71881902