Was wissen wir über Ebola-Ausbruch im Kongo?

Published by Hansjörg Enz on

Sonntag, 23. Mai: Erst 7 Todesfälle durch Ebola im Kongo? Kann das stimmen?

Seit Tagen versuche ich – pensionierter Journalist – herauszufinden, wie gravierend der jüngste, 17. Ausbruch von Ebola in Kongo-Kinshasa ist. Ich bin im Kontakt mit unsern Leuten vor Ort, lese im Internet unzählige Berichte der internationalen Medien und Organisationen – und komme zu keinem klaren Bild.  

Am Pfingst-Sonntag meldet die kongolesische Regierung diese Zahlen: Ebola-Tote bestätigt: 7,  Verdacht auf Tod aufgrund des Ebola-Virus: 176. Der deutsche TV Sender ntv beruft sich gleichentags auf die Nachrichtenagentur dpa und meldet 200 Tote. Ähnliches Muster: Der französische TV-Sender rfi meldete bereits vor zwei Tagen einen Ebola-Toten in Bukavu. Bertin Mungombe, den ich heute dort erreiche, sagt: „Nein, es gibt keinen Ebola-Toten in Bukavu. Wahrscheinlich meinen sie den bestätigten Fall in Lviru, das ist etwa 40 Kilometer von hier“. 

 

Wie kommt die internationale Presse zu Informationen und Bildern?

Vergleicht man die Berichte in verschiedenen Medien, so ähneln sie sich stark. Manchmal glaubt man, ein Ereignis sei neu, merkt dann, dass es eines ist, worüber andere schon vor Tagen berichtet haben. Zum Beispiel ein Ereignis aus der Provinz Ituri, der Provinz, wo die ersten Fälle dieses neuen (17.) Ausbruch gemeldet wurden.   Am Pfingstsonntag wollten Angehörige im Dorf Mongbwalu die Leichen von zwei Gestorbenen abholen, um sie traditionell zu beerdigen. Das heisst, der Tote wird aufgebahrt, die Trauernden nehmen Abschied von ihm, umarmen, küssen ihn. Das Krankenhaus-Personal versuchte zu erklären, dass sie sich dabei anstecken könnten. Sie verweigerten die Herausgabe. Darauf  steckten die Angehörigen  das Krankenhaus in Brand. Offenbar geschah in den letzten Tagen das gleiche in zwei weiteren Dörfern. Illustriert wurden diese Meldungen mit dem gleichen Bild. 

Eine Reportage der deutschen Welle wollte aufzeigen, wie stark Ebola den Alltag der Bevölkerung einschränkt. Zur Illustration wurden Bilder wie dieses aus Goma gezeigt. Wer das bei uns liest, denkt, das soll Einschränkung sein? Vollbetrieb auf der Strasse und ein einziger Mototaxi-Fahrer trägt eine Maske!

Wie kommt dieser Widerspruch Bild und Tite zustande? Es gibt mehrere Erklärungen: In Afrika arbeiten sehr wenige Journalist*innen. Radio DRS z.B. hat eine 100%-Stelle für die 49 Subsahara-Afrika. Viele Journalistinnen, die derzeit über die Situation im Kongo berichten, leben gar nicht dort. sehr sind in Nairobi stationiert, 1500 km entfernt. Sie wissen kaum mehr als Journalisten, die von der Schweiz aus berichten. Beide sind auf Nachrichten- und Bild-Agenturen und andere Medien angewiesen. Damit der Medienkonsument einen Beitrag liest oder schaut, helfen starke Bilder. Der Journalist dieses Beitrage hat offenbar keine gefunden. 

Power selling & bad news sind good news

 Eine andere Methode, Leser*innen zu motivieren, ist „power selling“, dabei helfen sind knallige Titel wie dieser. Diese werden oftmals nicht vom Journalisten gesetzt, sondern von der Redaktion. Hinzu kommt ein Merkmal des Informations-Journalismus: „Bad news“ sind „good news“ – schlimme, sensationelle Ereignisse bringen Quote , das gilt nicht nur für Afrika.

NGOs als Informationsquelle

Ein anderes Problem: Da es in Afrika nur sehr wenige Journalisten gibt, kontaktieren Redaktionen gerne Mitarbeter*innen von Hilfsorganisationen vor Ort, z.B Save the Children oder World Vision. Diese liefern dann Geschichten z.B von einer Familie mit Kindern, die besonders leidet. Im besten Fall sind diese Geschichten wahr und sogar stellvertretend für viele andere Familien, denen es gleich geht. Aber die Organisation haben noch ein eigenes Interesse. Sie wollen die Herzen der Spenderinnen und Spender öffnen, so dass sie nächstes Mal ihre Organisation berücksichtigen; da helfen drastische Geschichten. Dies ist den Organisationen nicht zu verdenken, umso mehr als viele Länder- auch die Schweiz – ihre Hilfsgelder für die armen Länder in den letzten Jahren gekürzt haben. Die USA haben ihre Entwicklungshilfe fast ganz gestrichen, das waren in den letzten Jahren 50 Milliarden US-Dollarwerden gs