{"id":6186,"date":"2019-12-20T16:13:21","date_gmt":"2019-12-20T16:13:21","guid":{"rendered":"https:\/\/maendeleo.ch\/wordpress\/?p=6186"},"modified":"2023-08-04T11:14:47","modified_gmt":"2023-08-04T09:14:47","slug":"blog-hansjoerg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maendeleo.ch\/wordpress\/blog-hansjoerg\/","title":{"rendered":"2019 Tagebuch Hansj\u00f6rg Enz"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"6186\" class=\"elementor elementor-6186\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-2f44edd elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"2f44edd\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-a3adbe9\" data-id=\"a3adbe9\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-9439a97 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"9439a97\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><a href=\"https:\/\/maendeleo.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Tagebuch Hj Enz Kongo Dez 2019.pdf\" data-wplink-url-error=\"true\"><strong>Tagebuch (mit Bildern) herunterladen<\/strong><\/a><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"color: #339966;\"><span lang=\"FR\">Tag 1:\u00a0<\/span>Dienstag, 3. Dezember 2019 &#8211; Ankommen im Kongo<\/span><\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>Ankunft in Bukavu<\/b><\/span><br \/><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><span lang=\"FR\" style=\"caret-color: #000000;\">Via Kigali bin ich in Bukavu angekommen. Ein Fahrer hat mich an der Grenze abgeholt und zu den Fr\u00e8res Xav\u00e9rien gebracht. Dort\u00a0<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">habe ein Zimmer mit Strom, Internet und einer Dusche, die funktioniert, ziemlich sicher die einzige Unterkunft mit diesem Komfort in dieser Stadt mit gesch\u00e4tzten 800 000 Einwohnern. Vom Zimmerfenster aus: Blick auf den Kivu-See \u2013 ein Paradies.<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">Wie letztes Jahr wohne ich bei den Fr\u00e8res Xav\u00e9riens, italienischen Missionaren, die seit \u00fcber 50 Jahren hier arbeiten.<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">Ihre gepflegte Anlage hinter hohen Mauern besitzt Unterk\u00fcnfte,<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">Werkst\u00e4tten, zum Beispiel f\u00fcr Autos, Versammlungs-<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0<\/span><span style=\"caret-color: #000000;\">und Sitzungsr\u00e4ume und eine Kapelle. Padre Franco leitet die Gesch\u00e4fte. Er hat viel gesehen in den 50 Jahren, die er hier lebt und arbeitet. Beim Nachtessen am ersten Tag erz\u00e4hlt er von den Kongokriegen (1995 bis 2005) mit mehreren Millionen Toten. Er erz\u00e4hlt, wie Kagames Truppen aus Rwanda in der Gegend einmarschierten um die \u201eg\u00e9nozidaires\u201c zu jagen, Hutu, die \u00fcber die Grenze geflohen waren. 1994 hatten die Hutu in nur hundert Tagen Hunderttausende Tutsi umgebracht.\u00a0<\/span><\/span><br \/><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Als die ruandischen Soldaten in hier angekommen seien, h\u00e4tte sich die kongolesische Armee aus dem Staube gemacht und offenbar auch viele der T\u00e4ter. Trotzdem h\u00e4tten die Soldaten Tausende get\u00f6tet, auch Frauen und Kinder, die Leichen h\u00e4tten tagelang in den Strassen gelegen. \u00a0\u00a0<\/span><br \/><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Xav\u00e9riens, benannt nach dem heiligen Fran\u00e7ois Xavier, haben hier Strassen, Schulen Sanit\u00e4tsposten gebaut; sie betrieben Viehwirtschaft und Kaffeeplantagen, die alle verschwunden sind. Sie bilden auch immer noch einheimische Priester aus, so kann der Orden weiter bestehen, weil es kaum mehr italienischen Priesternachwuchs gibt.<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/span><br \/><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b style=\"caret-color: #000000;\">Unser Projekt &#8211; Stand der Arbeiten<\/b><\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Bevor ich die Grenze \u00fcberquerte, traf ich Clint, einen jungen Schweizer Architekten, der in Nepal Schulen gebaut hat und der im S\u00fcdkivu bei der St. Galler Firma SKAT im Projekt \u201eproecco\u201c arbeitet. Proecco ist von der DEZA finanziert und propagiert neues Bauen in Burundi, Ruanda und im Kongo mit lokal hergestellten Backsteinen, die weniger Zement brauchen. Den ersten direkten Kontakt mit SKAT \/ Proecco hatte ich im Dezember 2018. Es wurden danach Bodenproben genommen dort, wo unser Schulhaus steht. Leider hat sich gezeigt, dass unser Boden nicht geeignet ist f\u00fcr die Produktion von Backsteinen. Wir werden trotzdem mit Proecco-Backsteinen arbeiten, die von einer lokalen Firma in der N\u00e4he hergestellt werden. Proecco wird einen Architekten und Maurer ausbilden und den Bau begleiten.\u00a0<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Clint hat unsere Schule besucht und eine Skizze f\u00fcr die Erweiterung unsrer Schule gezeichnet: zwei neue Geb\u00e4ude, eines f\u00fcr die Primarschule, ein zweites ist nutzbar von der Schule, ist aber vor allem gedacht f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung als Versammlungslokal, f\u00fcr Hochzeiten oder als Ausbildungsort f\u00fcr junge Leute. Das Raumprogramm haben unsre Leute mit dem Schulteam, dem Elternkomitee und Autorit\u00e4ten des Dorfes vorbesprochen. Nat\u00fcrlich gab es viele W\u00fcnsche, einen Kindergarten, eine Sekundarschule, ein Haus f\u00fcr Schulleiterin. Genaue Abkl\u00e4rungen w\u00e4hrend meines Aufenthaltes werden zeigen, was mit unsern beschr\u00e4nkten Mitteln m\u00f6glich ist. Diese Kl\u00e4rung ist eine der wichtigen Aufgaben w\u00e4hrend meines Aufenthaltes.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b style=\"color: inherit;\">Wie weiter mit unserem Agroprojekt<\/b><\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Seit der neue Pr\u00e4sident Tshisekedi verk\u00fcndet hat, die Primarschule sei gratis, kommen die Eltern nicht mehr arbeiten. Der Hauptzweck des Agroprojektes &#8211; Familienmitglieder arbeiten um Schulgeld zu verdienen &#8211; f\u00e4llt also weg. Die Hoffnung, dass Milondola Agro durch den\u00a0\u00a0Verkauf von Produkten und Tieren selbsttragend werde, hat sich auch nicht erf\u00fcllt. Wie also weiter? An der letzten Sitzung der Vereins Maendeleo in der Schweiz haben wir M\u00f6glichkeiten diskutiert: das Land verpachten, gar verkaufen? Der Lehrerschaft\u00a0\u00a0\u00fcbergeben, damit sie anpflanzen und Tiere halten und so ihren kargen Lohn aufbessern k\u00f6nnen?\u00a0<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Den zwei Lehrern \u00fcbergeben, die zwei Wegstunden von der Schule entfernt wohnen? Mit wenig Umbau k\u00f6nnte das traditionelle Haus, zusammen mit Haus und Stall, die wir in den letzten Jahren gebaut haben, zwei Familien beherbergen.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"caret-color: #000000;\">Wie ich im Bett liege, h\u00f6re ich wieder die Stimme einer Frau, die vorbeiging, als ich hier ankam. Sie trug ein Plastikbecken auf den Kopf mit Avocados, die sie verkaufen wollte. Sie rief mit hoher durchdringender Stimme\u00a0<\/span><i style=\"caret-color: #000000; color: #000000;\">\u201enous avons faim\u201c,<\/i><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0immer wieder \u201ewir haben Hunger\u201c, noch im Zimmer h\u00f6rte ich sie rufen oder glaubte zu h\u00f6ren\u00a0<\/span><i style=\"caret-color: #000000; color: #000000;\">\u201enous avons faim\u201c.<\/i><\/span><br \/><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><i style=\"caret-color: #000000; color: #000000;\">\u00a0<\/i><\/span><br \/><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #339966;\"><b>Tag 2: Mittwoch, 4. Dezember 2019 &#8211; Situationsbericht<\/b><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b style=\"color: inherit;\">Situation in Bukavu<\/b><\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Heute will ich die Stadt ansehen, in der ich zweieinhalb Jahre gelebt und gearbeitet habe. Und es ist wie immer, wenn ich nach Bukavu komme. In Windeseile spricht sich herum:\u00a0\u00a0Monsieur Hans ist wieder da! Schon vor der dem Tor der Xaverianer quatscht mich ein alter Bekannter an. Seine Frau brauche unbedingt eine Haut-Salbe, sie koste 10 Dollar, und er habe nach drei Tagen erst die H\u00e4lfte erbettelt. Eine halbe Stunde l\u00e4uft er neben mir her. Er quatscht mich schliesslich so weich, dass ich ihm 5 Dollar gebe. Ich bitte ihn, mir doch morgen die Salbe zu zeigen und die Quittung der Apotheke.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b style=\"color: inherit;\">Die Hauptstrasse \u2013 eine Baustelle<\/b><\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Von der Halbinsel Muhumba komme ich auf die Hauptstrasse, die ich seit 2008 kenne. Ich habe drei Mal miterlebt, wie sie renoviert wurde. Jedes Mal mit dem gleichen Resultat: ein Jahr darauf hatte sie wieder ebenso viele L\u00f6cher wie zuvor. Das meiste Geld wurde halt nicht gebraucht um L\u00f6cher in der Strasse zu f\u00fcllen, sondern die Kasse einiger hoher Herren.\u00a0<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Diesmal scheint es aber ernst zu werden mit der Rehabilitation der Strasse, die von der ruandisch-kongolesischen Grenze durch die ganze Stadt f\u00fchrt. Vier verschiedene Baustellen auf etwa einem Kilometer. Arbeiter reissen die Strasse auf, ein gewaltiges Loch zeigt ein meterdickes Kanalisationsrohr. Grosse Steine auf der Fahrbahn behindern den Verkehr, eine Asphaltiermaschine steht dahinter, Berge von Lavasteinen liegen am Strassenrand, per Schiff aus Goma hergekarrt, um L\u00f6cher zu f\u00fcllen. Dort, wo die Fahrbahn einigermassen intakt geblieben ist, weil aus Betonplatten gebaut, dr\u00fccken Arbeiter eine Zementmasse in die Ritzen&#8230; Ein Passant erkl\u00e4rt, dass eine burundische und eine ruandische Firma einen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Abschnitt von etwa zwei Kilometern renovieren in einer Art Wettbewerb. Der Sieger soll dann den Auftrag erhalten, 20 weitere Kilometer zu sanieren.\u00a0<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Schon bei der Einreise am Zoll war ich erstaunt: Die Betonbr\u00fccke, die \u00fcber ein Fl\u00fcsschen von Ruanda in den Kongo f\u00fchrt, und die seit 7 Jahren einfach so da stand, wird jetzt genutzt.\u00a0<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Autos fahren dr\u00fcber, \u201eMamans\u201c tragen ihre Waren auf dem Kopf \u00fcber die Br\u00fccke &#8211; nur die Invaliden, die fr\u00fcher Waren auf dreir\u00e4drigen Karen transportierten, sieht man kaum mehr.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b style=\"color: inherit;\">Alte Bekannte<\/b><\/span><br \/><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"caret-color: #000000;\">In der Stadt treffe ich zuf\u00e4llig Madame Sosth\u00e8ne Birali. Sie die Frau des Journalisten-Kollegen, der auch mithilft bei unsrer Schule. Sie ist auch Schulleiterin. Deshalb reden wir \u00fcber ihre Schule. Auch hier zahlen die Eltern kein Schulgeld mehr, die staatlichen L\u00f6hne sind immer noch so tief wie zuvor, der Zuschuss der Eltern fehlt jetzt. Wie\u2019s den Kindern gehe, den T\u00f6chtern, die studiert haben? Wie wohl? Alle drei sind zu Hause, Jobs gibt\u2019s keine, nicht mal f\u00fcr die Medizinerin,\u00a0<\/span><i style=\"caret-color: #000000; color: #000000;\">quel malheur<\/i><span style=\"caret-color: #000000;\">.<\/span><\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Und der Schneider Muganza, der schon einige Kleider f\u00fcr uns gen\u00e4ht hat, sitzt wie immer mit seinem Kollegen in seinem Kab\u00e4uschen. Zum ersten Mal seit ich mich erinnere, steht seine N\u00e4hmaschine still. \u201eSeit der neue Pr\u00e4sident Etienne Tshisekedi im Amt ist, geben Leute kein Geld mehr aus\u201c. Er kann auch keine Uniformen auf Vorrat schneidern. Er hat kein Geld f\u00fcr Stoff, zudem d\u00fcrfen Schulen nicht mehr selbst Uniformen anbieten. Fr\u00fcher war er Lieferant mehrerer Schulen und hat jedes Jahr zusammen mit seiner Frau 800 Uniformen gen\u00e4ht. Wir diskutierten, dass er vielleicht n\u00e4chstes Jahr Uniformen f\u00fcr unsere Schule schneidern k\u00f6nnte mit einem gestickten Logo \u201e10 ans EP Milondola\u201c. Er macht einen Kosten-Vorschlag.<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Zakar, der Gitarrenbauer, ist immer noch im Centre Culturel Fran\u00e7ais, hat sich einen Verschlag gezimmert, einem Kasperlitheater \u00e4hnlich, und drinnen steht er. Ich sehe ihn von hinten, er dreht ich um, sieht schlecht aus, jammert, er sei 5 Monate krank gewesen, der Arzt habe ihm Ruhe verordnet. Die zehn Gitarren, mit denen er seine Schulden abzahlen wollte, baue er n\u00e4chstes Jahr, ganz sicher. Comme toujours, Zakar m\u00e4andert, erkl\u00e4rt, aber nie kommt das bekannte meckernde Lachen \u00fcber seine Lippen, ihm geht\u2019s wirklich nicht gut.<\/span><br \/><span style=\"caret-color: #000000; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Auf dem Heimweg h\u00e4lt ein Jeep neben mir, \u201eAh, regarde, Monsieur Hans, bienvenu\u201c. Tha\u00efs, Direktor des Radio Maendeleo, gr\u00fcsst, er hat noch ein bisschen zugenommen, wenigstens ihm geht es gut, er lacht. Kollegen sagen, das Radio sei deutlich n\u00e4her zur Regierung ger\u00fcckt, seine Frau habe einen Job beim Gouverneur. Ob man das dem Programm anmerke oder ob die Leute das einfach unterstellen? Sei doch klar, meinen sie, im Kongo gebe es nichts gratis.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b style=\"caret-color: #000000; color: #000000;\">Fazit: Kongo bleibt Kongo, man lebt \u201e<i>au rhyhtme du pays<\/i>\u201c, zu einer ziemlich traurigen Musik.\u00a0<br \/><\/b><span style=\"caret-color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p><p><span style=\"color: #339966; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Tag 3: Donnerstag 5. Dezember &#8211; Fr\u00e8re Paolo<\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Einige Patres hier bei den Xaverianern habe ich gekannt vom letzten Jahr. Fr\u00e8re Paolo sah ich zum ersten Mal, er ist hier in Bukavu in den Ferien. Er h\u00e4tte daf\u00fcr nach Italien gehen k\u00f6nnen, wollte aber nicht. \u00abIch will nicht mehr in Italien leben, ich geh\u00f6re hierher.\u00a0\u00bb\u00a0 Er war fr\u00fcher schon hier, hat dann lange in Italien gearbeitet. Er hat auf die alten Tage darum gebeten, in den Kongo zur\u00fcckkehren zu d\u00fcrfen. Mit leuchtenden Augen erz\u00e4hlt er von den Kindern, den Invaliden, die er in abgelegenen D\u00f6rfern betreut. <\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Und es ist sch\u00e4ndlich, dass man sogar dann, wenn man Leute wie Paolo trifft, an die Geschichten \u00fcber Priester denken muss, die Kinder missbraucht haben. Und dann denke ich, dass ich als <span lang=\"FR\">ehemaliger Journalist der Tagesschau auch etwas daf\u00fcr verantwortlich bin, wie Menschen die Welt wahrnehmen. Nachrichtensendungen berichten sehr oft \u00fcber Negatives, und das pr\u00e4gt dann die Wahrnehmung der Zuschauer und weil in den letzten Jahren oft \u00fcber \u00dcbergriffe von Priestern berichtet wurde, kommt sogar mir das zuerst in den Sinn. Dabei ist mir eigentlich klar, dass die grosse Mehrheit der Priester sich nie an Kindern vergreifen w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Erste Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den Zusatzbau<br \/><\/strong>Gegen Abend fahren wir \u00fcber die Grenze nach Cyangugu in Ruanda. Wir besprechen uns mit Clint von Skat, der Organisation, die uns helfen kann mit neuer Technologie beim Zusatzbau in unserer Schulhaus. Wir haben Pierre mitgebracht, einen kongolesischen Architekten, der den Bau m\u00f6glicherweise begleitet. Clint zeigt verschiedene M\u00f6glichkeiten auf, wie man auf unsern Gel\u00e4nde zus\u00e4tzliche Schulzimmer, vielleicht auch einen Saal f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung bauen k\u00f6nnte. Clint hat bereits in Nepal Schulen gebaut.<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der kongolesische Architekt ist erstaunt, als Clint erkl\u00e4rt, wie wenig ein m<sup>2<\/sup> mit der SKAT-Bauweise kostet: \u00abMit unserer traditionellen Bauweise rechnen wir mit rund 450 USD\/m<sup>2<\/sup>, fast doppelt so viel\u00bb.<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Bei mir kommt wieder einmal die Angst hoch: sind unsere einheimischen Partner bereit, nicht den ersten grossz\u00fcgigen Vorschlag schon als die L\u00f6sung anzusehen und mich dann darauf zu behaften? Sind sie bereit, verschiedene M\u00f6glichkeiten zu pr\u00fcfen und erst dann zu entscheiden? Denn beim Abschied frage ich Clint, wie viel zwei Geb\u00e4ude denn etwa kosten. Mir wird klar, dass wir uns beschr\u00e4nken und Leute entt\u00e4uschen m\u00fcssen.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"color: #339966;\">T<\/span><span style=\"color: #339966;\">ag 4: Freitag, 6 Dezember &#8211; Bertin, Arc-en-Ciel<br \/><\/span><br \/><\/strong>Am Morgen kommt Bertin, der Journalist, den ich seit 10 Jahren kenne. Er war beim ersten Journalistenkurs der Deutschen Welle Akademie in Bukavu dabei. Seither sind wir im Kontakt, helfen ihm mit Ausr\u00fcstung, im Gegenzug produziert er Videos, dreht f\u00fcr unser Projekt (siehe z.B. \u00ab\u00a0fille chez elle\u00a0\u00bb auf dieser Homepage).<br \/>Ich hatte f\u00fcr seine Kinder einige Duplo-Steine mitgebracht, er sagt mir anderntags, seine Kinder h\u00e4tten bis 23 Uhr damit gespielt.<br \/>Wie ich aufbrechen will, kommen die Musiker von \u00ab\u00a0Arc-en-Ciel\u00a0\u00bb, der Band, der wir vor Jahren Instrumente und eine Verst\u00e4rkeranlage gekauft haben. Letzten Dezember habe ich mit ihnen einen Song f\u00fcr unsere Schule aufgenommen. Sie erz\u00e4hlen, dass das Studio, wo wir das Lied aufgenommen haben, ausgeraubt worden ist. Die Geschichten wiederholen sich. Genau das gleiche geschah im Studio, wo wir vor einigen Jahren \u00ab\u00a0Blablaba\u00a0\u00bb aufgenommen haben, <em>quel pays.<\/em><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Radio Maendeleo<br \/><\/strong>Ein Lichtblick war der Besuch bei Radio Maendeleo, bei dem ich 2008 bis 2010 f\u00fcr Eirene gearbeitet habe. Das Radio hat \u00fcberlebt, obwohl die letzte Direktorin massiv Geld veruntreut und das Radio an den Rand des Ruins gebracht hatte. Zuletzt streikten die JournalistInnen, so lange, bis der Verwaltungsrat die Direktorin entliess. Um das Radio zu retten, verzichteten die JournalistInnen auf einen grossen Teil der L\u00f6hne, die 17 Monate nicht ausbezahlt worden waren. Sie verloren zudem die ganzen Gelder, die sie in eine Art Pensionskasse einbezahlt hatten und akzeptierten eine Lohnk\u00fcrzung von 50%. Gerettet hat sie schliesslich die DEZA, die Schweizer Entwicklungshilfe. Sie unterst\u00fctzt Radio Maendeleo weiterhin, und so ist Radio Maendeleo das meistgeh\u00f6rte Radio im S\u00fcdkivu geblieben.<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">In der Unterkunft lese ich auf der Homepage von \u201eDebout Congolaises\u201c die Rede von Friedens-Nobelpreistr\u00e4ger Denis Mukwege, die er am 2. Dezember vor der franz\u00f6sischen Nationalversammlung vorlesen liess. Er selbst konnte nicht teilnehmen, er war nach Bukavu geflogen zur Beerdigung seiner Mutter. Schon der Titel spricht f\u00fcr sich:<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><em>\u201eMan baut keinen Frieden mit den Henkern in Uniform, die ihre Opfer jeden Tag einsch\u00fcchtern\u201c<\/em><\/strong><strong>.<br \/><\/strong><br \/>Mukwege war eingeladen an ein Kolloquium, wo es darum ging ein internationales Gericht einzuberufen zu den Kriegsverbrechen im Kongo. Er klagt an<em>: \u201cDie Kriminellen werden gesch\u00fctzt von der h\u00f6chsten Ebene des Staates und dem h\u00f6chsten Niveau der Sicherheitskr\u00e4fte und der Armee (&#8230;), sie haben systematisch ihren schlechten Willen bewiesen, um das Chaos und ihre Privilegien zu behalten, (&#8230;) Armee und Sicherheitskr\u00e4fte sind daf\u00fcr bestimmt, die Interessen des Regimes und ihrer G\u00fcnstlinge zu besch\u00fctzen und nicht die Bev\u00f6lkerung, das Gesetz und die Integrit\u00e4t des Landes\u201c. *<\/em><\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Starke Worte eines Mannes, der 2012 nur deshalb einem Mordanschlag entging, weil sich ein Sicherheitsw\u00e4chter vor ihn stellte und dabei umkam.<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Kaum fertig gelesen h\u00f6re ich draussen wieder die Stimme der Frau, die gerufen hatte \u201enous avons faim\u201c. Diesmal trug sie Maniokwurzeln in ihrem Plastikbecken auf dem Kopf. Ich rief sie zur\u00fcck, kaufte ein Dutzend der erdverkrusteten Wurzeln, verteilte sie an Leute, die jeden Tag vor dem Tor der Xaverianer warten. Auf dem Weg zur\u00fcck sch\u00fcttelte es mich, ich habe geweint, <em>\u201equel malheur\u201c.<\/em> Habe ich das Recht zu weinen, ich, der ich zu den Privilegierten dieser Welt geh\u00f6re?<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><a href=\"https:\/\/deboutcongolaises.org\/on-ne-construira-pas-la-paix-avec-des-bourreaux-en-uniforme-qui-intimident-chaque-jour-les-victimes\/\"><strong>Link zur\u00a0ganzen Rede Mukweges<\/strong><\/a><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #339966;\"><b style=\"caret-color: #000000;\"><span lang=\"FR\">Tag 5: Samstag, 7. Dezember\u00a0&#8211; Auf zur Schule<\/span><\/b><\/span><\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Wir haben auf Samstag 7 Uhr abgemacht. Schon um zehn nach sieben holt Fiston, unser Koordinator, mich ab, nur 10 Minuten sp\u00e4ter als abgemacht, das ist hier absolute Spitze! In Bukavu sind die Strassen besser geworden, einige Hauptachsen sind jetzt asphaltiert. Wir nehmen den Weg \u00fcber Bagira und sind so bald auf Strassen, wo Fiston wieder beweisen kann, dass er \u201eder beste Chauffeur im Kongo\u201c ist\u00a0.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der Strassenbelag besteht aus Laterit. Wenn der Belag neu, gut verdichtet und unterhalten ist, gibt das \u2013 wenigstens bei trockenem Wetter &#8211; eine stabile Fahrbahn. Hier regnet es allerdings derzeit jeden Tag, und der\u00a0\u00a0Lateritstaub wird zu einer schmierigen Schicht. Fahren darauf ist vergleichbar mit Fahren auf Glatteis. Ich habe das selbst erlebt, als ich hier lebte, von 2008 \u2013 10, bin ich oft selber gefahren.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">F\u00fcr die 30 Kilometer bis zur Schule brauchen wir gut zwei Stunden. Weil es geregnet hat, fahren wir durch tiefe Wassergr\u00e4ben, manchmal steigen wir aus, pr\u00fcfen mit einem Stecken, wie tief das Wasser ist. Wir kommen an einem Lastwagen vorbei, der stecken geblieben ist.<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Wie wir ankommen, sind die Sch\u00fcler noch daran, die Quartalspr\u00fcfungen abzulegen.\u00a0\u00a0<b>\u00a0<\/b>Pr\u00fcfungen entscheiden dar\u00fcber, ob die Sch\u00fcler am Ende des Schuljahres weiterkommen oder sitzenbleiben. Nach einer Statistik des kongolesischen Erziehungsministerium schaffen nur 16% der Kinder die 6. Klasse ohne zu wiederholen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, nur etwa die H\u00e4lfte der Sch\u00fcler erreicht \u00fcberhaupt je die 6. Klasse. Die andern h\u00f6ren fr\u00fcher auf, meist, weil die Eltern das Schulgeld nicht bezahlen k\u00f6nnen. Das ist im ganzen Kongo so. Warum das auch bei uns so ist, wo die Eltern statt Schulgeld zu zahlen arbeiten k\u00f6nnen auf unsern Feldern oder eine Ziege h\u00fcten, ist mir nicht klar. Und wie das weitergeht, seit der Staatspr\u00e4sident die Schulen f\u00fcr gratis erkl\u00e4rt hat, weiss eh keiner&#8230;<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Mit dem Architekten, der uns begleitet, besprechen wir, wo das oder die neuen Geb\u00e4ude zu stehen kommen k\u00f6nnten. Wir bitten ihn, auf Grund der Gespr\u00e4che mehrere Vorschl\u00e4ge zu machen. Die Schule ist in ordentlichem Zustand. Wenn wir n\u00e4chstes Jahr bauen, ist es trotzdem sinnvoll auch einige Renovationsarbeiten an den bestehenden Geb\u00e4uden auszuf\u00fchren. Weil wir Boden hinzukaufen konnten, wird auch der Pausenplatz neu gestaltet. Dann zieht Regen auf, die Kinder singen zum Abschied den Song \u201eMilondola\u201c, den wir letztes Jahr mit der Band Arc-en-Ciel komponiert und aufgenommen haben.<\/span><\/p><p><o:p><\/o:p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif; color: #339966;\"><b>Tag 6: Sonntag, 8. Dezember &#8211; Hans, ich muss Sie unbedingt sprechen<\/b><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Sonntagsruhe. Zeit am Tagebuch zu schreiben. Mehrmals klopft Emmanuel, der Portier an meine T\u00fcre. Ich bin endg\u00fcltig entdeckt, Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler m\u00f6chten mir etwas verkaufen. Nach dem Gottesdienst m\u00f6chte ein junger Mann unbedingt mit mir reden. Ich klemme ihn ab, ich mag keine Geschichten mehr h\u00f6ren von Brillen, die gekauft werden m\u00fcssen, Salben f\u00fcr die leidende Frau, Schulgeld f\u00fcr die Universit\u00e4t, eine Reise nach Hause, um ein Dokument zu holen f\u00fcr eine Bewerbung. Diese Geschichten m\u00f6gen alle stimmen oder auch nicht, und Leid und Armut sind hier Alltag. Erstaunlich ist allerdings, dass nur M\u00e4nner jammern kommen. Ich erkl\u00e4re ihnen, dass ich hier eine Schule unterst\u00fctze und dass ich den Kongo nicht retten kann.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Am Abend gehe ich mit zwei belgischen Video-Journalisten, die gestern bei den Xaverianern eingetroffen sind, zu Carlos Schuler. Er lebt seit \u00fcber 30 Jahren im Kongo. W\u00e4hrend der Kongokriege war er einer der wenigen Weissen, die im Kongo geblieben sind. Ihm als Chef und seinem Team aus Parkw\u00e4chtern, meist Pygm\u00e4en, ist es zu verdanken, dass die Gorillas in Kahuzi-Biega-Nationalpark \u00fcberlebt haben. Christine Deschrijver, seine Frau, leitet in Bukavu die \u201eCity of Joy\u201c, ein Dorf, wo vergewaltigte Frauen eine Ausbildung machen k\u00f6nnen. Sie ist seit Jahren international unterwegs, um auf die unglaublichen Verh\u00e4ltnisse im Kongo aufmerksam zu machen.\u00a0\u00a0All das ist nachzulesen im Carlos\u2019 Buch \u201eLeben und \u00dcberleben im Kongo\u201c.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>Die DEZA in Bukavu<br \/><\/b>Sp\u00e4ter am Abend st\u00f6sst noch ein Schweizer zur Runde: Jean-Luc Virchaux, Chef des DEZA-B\u00fcros. Er ist bereits der 5. Chef des B\u00fcros, das 2010 in Bukavu er\u00f6ffnet wurde. Ich habe alle seine Vorg\u00e4ngerInnen kennen gelernt, der erste ist ein knappes halbes Jahr geblieben, die einzige Frau auf diesem Posten immerhin 4 Jahre. Bukavu ist ein hartes Pflaster, darum ist es nicht einfach jemanden zu finden, der hierher kommt. Jean-Luc ist der erste auf diesem Posten, der wirklich lange internationale Erfahrung hat und auch wagt, die katastrophalen Verh\u00e4ltnisse hier \u00f6ffentlich anzusprechen, sowohl gegen\u00fcber der lokalen Obrigkeit, die sich schlicht nicht um die Bev\u00f6lkerung k\u00fcmmert, als auch gegen\u00fcber der UNO, die im Kongo die gr\u00f6sste je gesehene Mission unterh\u00e4lt. Jean-Luc spr\u00fcht vor Energie und Ideen, aber leider wird auch er im M\u00e4rz nach nur zwei Jahren den Posten wieder verlassen, er wird pensioniert.<\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b><span style=\"color: #339966;\">Tag 7: Montag, 9. Dezember &#8211; Fast-Ruhetag<\/span><o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>\u00a0<\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Wie das so ist im Kongo, manchmal ist wenig los, man erreicht Leute nicht, sie kommen sp\u00e4ter als erwartet oder gar nicht. Daran muss und kann man sich gew\u00f6hnen. Wenn man l\u00e4nger hier ist, gelingt das recht gut. Seit ich nicht mehr oft in Afrika bin, brauche ich einige Tage, um in den Afrika- Rhythmus zu kommen, in den\u00a0<i>rhythme du jour.\u00a0\u00a0<\/i><\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann kam der Schneider Muganza vorbei. Wir kennen ihn seit bald 10 Jahren. Wir vereinbaren, dass er jedem unser Sch\u00fclerInnen eine Uniform schneidert zum Jubil\u00e4um.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b><br \/>Ein neues Lied<o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann kommen noch die Herren der Band Arc en Ciel, das Gesch\u00e4ft l\u00e4uft schlecht, sie spielen ein, zwei Mal pro Woche, teilen die Gage durch 12 Musiker und T\u00e4nzer und gehen um Mitternacht nach Hause, mit vielleicht 10 USD und davon muss die Familie leben. Wir beschliessen bei Carlos ein Bier trinken zu gehen. Dann versucht einer, die Charleston-Figur zu machen, bei der man Arme und Beine kreuzen muss. Das habe ich oft in Kursen vorgemacht, niemand hat\u2019s bisher geschafft. Ich sage ihnen, ich zeig\u2019s ganz langsam, eins nach dem andern. Dann die Idee, wir machen ein Lied daraus. Und es entsteht der Text zum Lied \u201eles genoux crois\u00e9s\u201c.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Morgen Dienstag wollen wir die Melodie \u201eersingen\u201c, dann Aufnahme und Video, ein neuer Tanz-Welt-Hit wird geboren&#8230;\u00a0<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><o:p>\u00a0<\/o:p><\/p><h6 style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b><span style=\"color: #339966;\">Tag 8: Dienstag, 10. Dezember 2019 &#8211; La chanson de Genoux crois\u00e9s<\/span><o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/h6><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>\u00a0<\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ich bin zum Warten verurteilt, was mir nicht besonders liegt. Unser Koordinator Fiston und der Buchhalter Nielsen arbeiten f\u00fcr einen symbolischen Betrag von 600 USD pro Jahr f\u00fcr uns. Beide haben feste Anstellungen bei internationalen NGOs, stehen nur am Wochenende und nach der Arbeit zur Verf\u00fcgung. Fiston hat erst seit einem Monat wieder eine Stelle bei Search for Common Ground (SFCG), einer grossen amerikanischen NGO, die im Bereich Konfliktbearbeitung in 38 L\u00e4ndern arbeitet. Ich kenne Search erst seit 2005. Damals machte ich die Schlussarbeit meines Studiums an der FU Berlin (lic.rer.publ.) bei Radio Isanganiro in Bujumbura, Burundi. Mich interessierte, wie es Journalisten in Zeiten des B\u00fcrgerkrieges gelingen kann, nicht-parteiischen Journalismus zu machen. In Burundi begann 1993 ein (neuer) B\u00fcrgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi, der erst 200? mit dem Friedensvertrag von Arusha (offiziell) zu Ende ging.\u00a0<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Am Nachmittag kommen die 3 Musiker von Arc-en-Ciel, um an unserm Lied zu arbeiten. Am Montag hatten wir einen Text erarbeitet, ich habe ihn gestern noch erg\u00e4nzt. Jetzt geht es darum, den Text singbar zu machen, dazu sind Anpassungen n\u00f6tig, damit Rhythmus, Melodie und Text eine Einheit bilden. Das geht am besten, in dem wir alles singend wiederholen, bis das Ganze groovt. Beim Ersingen erlebe eine kleine Genugtuung. Schon letztes Jahr haben wir ein Lied erarbeitet. Bei der Aufnahme im Studio schaffte ich es nicht, den Einsatz f\u00fcr meine Stimme zu finden, das Lied hat einen afrikanischen Rhythmus, ich brauchte einen Kollegen, der mit den Einsatz gab: \u201eJetzt\u201c und auch dann landete ich rhythmisch im Acker. Diesmal war es umgekehrt, der Rhythmus des neuen Liedes ist \u201eeurop\u00e4ischer\u201c und jetzt haben meine Kollegen M\u00fche, Text und Melodie auf die Reihe zu bringen. Wir \u00fcben drei Stunden, es beginnt zu swingen. Morgen noch ein Probe, dann Studio und hoffentlich schaffen wir\u2019s noch, ein Video zu drehen, bevor ich abreise.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Am Abend Treffen mit Fiston, Nielsen und Bertin, Lagebesprechung, was gibt es als n\u00e4chstes zu tun. Ich informiere dar\u00fcber, dass am Freitag Fatou Dieye, die Chefin von Skat in der Region der Grossen Seen nach Bukavu kommt. Sie ist eine erfahrene Architektin, die uns bestimmt helfen kann, gute L\u00f6sungen f\u00fcr unsern Zusatzbau in Ikoma zu finden.\u00a0<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><o:p>\u00a0<\/o:p><\/p><h6 style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b><span style=\"color: #339966;\">Tag 9: Mittwoch 11. Dezember &#8211; 10 Jahre DEZA in Bukavu<\/span><o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/h6><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>\u00a0<\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ruhiger Morgen. Statt um 13h kommen die ersten 2 Musiker von Arc-en-Ciel um 14h, wir warten auf Prince, den Boss, beginnen dann am Lied zu feilen, 3 stimmiger Gesang mit ziemlich viel Text, nicht einfach. Prince l\u00e4uft ein um Viertel vor drei, wir \u00fcben noch eine halbe Stunde, dann Treffen mit Thierry, seit bald drei Jahren Chef des Swiss-Contact-Pogrammes in Bukavu. Das Programm macht handwerkliche Ausbildungen f\u00fcr Kongolesinnen, bitter n\u00f6tig, denn Lehrlingsausbildungen gibt es im Kongo nicht.\u00a0\u00a0Er stellt in Aussicht, dass Swisscontact in Ikoma ausbilden k\u00f6nnte und vielleicht sogar etwas beisteuern zum Bau eines Raums, wo die Ausbildungen stattfinden k\u00f6nnten. T\u00f6nt gut.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann ins Hotel Residence, wo die DEZA 10 Jahre Arbeit im S\u00fcdkivu feiert. Das Hotel ist ein Meisterwerk kongolesischer Baukunst, diese Kunst besteht darin, dass man ein Hotel so schrottig bauen kann und es trotzdem nicht zusammenf\u00e4llt. Gesch\u00e4tzte 10 gewundene Treppen geht es hinunter bis zum Festplatz am See. Beim Treppensteigen empfiehlt es sich, sich am Handlauf festzuhalten, denn fast jede Treppenstufe ist individuell gestaltet, in der H\u00f6he meine ich, das ist f\u00fcr Unge\u00fcbte nicht einfach. Das ist f\u00fcr uns, die wir gew\u00f6hnt sind, dass alle Treppenstufen gleich hoch sind, nicht einfach. Die Gefahr ist gross, dass wir bei unterschiedlichen H\u00f6hen ins Stolpern kommen.<\/span><br \/><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Viele G\u00e4ste sind da, DEZA-Chef Virchaux h\u00e4lt eine launige Rede, dann spricht der Schweizer Botschafter dar\u00fcber, welche Taten die DEZA hier vollbringt, mit den \u00fcblichen Versatzst\u00fccken des Vokabulars der internationalen Hilfe, die sich gerne Zusammenarbeit nennt. Dann lobt der Vize-Gouverneur die Schweiz, und dann gibt Petrus dem fr\u00f6hlichen Treiben eine Wende, indem er die Himmelschleusen weit \u00f6ffnet. Alle Leute suchen einen Platz \u201eam Sch\u00e4rmen\u201c vor der Bar, und dann Raclette, Schweizer Wein, Schweizer F\u00e4hnchen, dann zur\u00fcck nach Muhumba im Stau und ein Feierabend-Bier mit Thierry.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><o:p>\u00a0<\/o:p><\/p><h6 style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"color: #339966; font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>Tag 10: Donnerstag, 12. Dezember &#8211; the thing starts flying<\/b><\/span><\/h6><h6 style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"color: #339966; font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>\u00a0<\/b><\/span><\/h6><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ich erwache nachts um drei. Da ist die Idee, ich schreibe auf: Wir trennen die beiden Bau-Vorhaben. Der Zusatzbau zur Schule bleibt Sache des Vereins, wir finanzieren diesen Teil voll, der Mehrzwecksaal aber,\u00a0<i>salle polyvalente\u00a0<\/i>und die Berufsausbildung, die darin stattfinden soll, wird Sache der lokalen Partner-Organisation. Davon\u00a0\u00a0finanzieren wir einen Teil, den Rest versuchen sie bei Swiss-Contact zu holen. Gelingt es nicht, bauen wir nur den Zusatzbau Schule.<\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Um 4 Uhr erreicht mich das Mail der Koordinatorin der SKAT in Kigali. Sie kommt heute nach Bukavu und m\u00f6chte mich treffen. Vorgesehen war Freitag oder Samstag, nur am Jahresende ist in der EZ (Entwicklungszusammenarbeit) immer viel los. Geld f\u00fcr 2019 muss noch rasch ausgegeben, das Programm f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr muss fertiggestellt werden. Bald machen sich die Expats auf in die Weihnachtsferien, nach Hause oder mit den neuen Freundinnen nach Madagaskar&#8230;<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>\u00a0<\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>Augustin<o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Um 11h kommen die ersten zwei Lehrer unsrer Schule. Ich gebe ihnen je eines der Tablets, die Bruno Fink auftreiben konnte, f\u00fcr die beiden wie Weihnacht und Ostern zusammen. Ich rede mit ihnen \u00fcbers vergangene Jahr, sie sind sehr zufrieden mit unsern Leuten vor Ort, mit Fiston und Nielsen. Dann kommt der W\u00e4chter mit einem Zettel, geschrieben von Augustin, mit grosser krakeliger, aber lesbarer Schrift. Er ist hier mit seiner Frau, dem kleinen Bruder, zwei weiteren Personen. Er sitzt im Bus, abgemagert, gr\u00fcsst herzlich, kann nach seinem schweren T\u00f6ffunfall mit k\u00fcnstlichem Koma, wieder zusammenh\u00e4ngend reden, wochenlang konnte er nicht mehr reden, dann lange zusammenhanglos. Sein Hirn erholt sich. Gehen kann er noch nicht. Sie bitten um 200 Dollar, um Untersuchungen zu machen, Vorbereitungen f\u00fcr eine Operation, damit er wieder laufen lernen kann. Mit dem Geld fahren sie in die Klinik, wollen uns bald berichten, wie es weiter gehen kann. Wir best\u00e4tigen nochmals, dass wir seinen Lohn weiter zahlen, dass wir auch versuchen werden, ihn weiter zu besch\u00e4ftigen.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ab zirka halb 12 ist das ganze LehrerInnenteam da. Unter einem Dach am See reden wir\u00a0\u00a0\u00a0\u00fcber: Wie weiter mit der Landwirtschaft, deren Hauptzweck (Verdienst f\u00fcr Familien um Schulgeld zu zahlen) nicht mehr existiert, seit der Staatspr\u00e4sident versprochen hat die Lehrerl\u00f6hne zu erh\u00f6hen auf 100 statt 70 Franken pro Monat. Wir legen weiterhin 20 drauf. Sie sind zufrieden mit der \u201eLohnerh\u00f6hung\u201c.\u00a0<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>\u00a0<\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>Wie weiter mit der Landwirtschaft<o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Sie schlagen vor, die Landwirtschaft radikal umzubauen im Marais, der fruchtbaren Ebene, wollen sie Zuckerrohr pflanzen, am Land am Hang Eukalyptusb\u00e4ume, beides rentiere und brauche wenig Aufwand. L\u00e4ngere Diskussion, was mit den Tieren geschehen soll. Idee heute: Alle Tiere verkaufen, das Geld dann brauchen, um den Stall so einzurichten, dass dort Absolventen unsrer Schule ausgebildet werden k\u00f6nnen. Das Lehrerteam zusammen mit Amafaranga und Emanuel vom Elternkomitee sind bereit, beides in eigener Regie zu machen, ohne Zuschuss aus der Schweiz. Sie wollen die Idee bis zum Jahresende konkretisieren und uns vorlegen. Super, das Projekt geht in die Obhut der Leute vor Ort \u00fcber, was kann Besseres geschehen?<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann Abschied, davor verliest ein Lehrer ein r\u00fchrendes Dankesschreiben, schneller Abschied.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Weiter ins Restaurant Orchids zum Treffen mit Fatou Dieje von Skat. Sie stellt sich als die fachlich kompetente und aufgestellte Hammerfrau heraus, wie sie mir von Clint beschrieben wurde. Sie ist in den USA aufgewachsen als Tochter einer Amerikanerin und eines senegalesischen Piloten. Sie hat Architektur studiert und hat den Chef von SKAT an einem Symposium so \u00fcberzeugt, dass er sie gewinnen konnte f\u00fcr SKAT zu arbeiten. Wir reden eineinhalb Stunden, wie man das Projekt aufgleisen k\u00f6nnte. Sie ist \u00fcberzeugend, schnell, auf den Punkt, kommt gut. Sie hat allenfalls n\u00e4chste Woche Zeit, sich die Schule anzuschauen. Sie ist \u00fcberzeugt, dass wir etwas Zweckm\u00e4ssiges, Sch\u00f6nes, Preiswertes bauen k\u00f6nnen, alles mit Einheimischen aber mit dem Skat-Knowhow und in Schweizer Qualit\u00e4t. Ich gehe aufgestellt zu den Xaverianern, ein gelungener Tag, ich k\u00f6nnte Luftspr\u00fcnge machen &#8230;<\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><o:p><br \/><\/o:p><span lang=\"FR\" style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"color: #339966;\">Tag 11. Freitag: Dezember &#8211; Die alten Strassen nicht mehr<\/span><\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Heute Morgen geht\u2019s ins Studio, um das Lied einzusingen. \u201eGeht\u201c ist das richtige Wort. Bertin, der Kameramann, wollte mich mit dem Auto abholen, aber im Verkehr ging nichts mehr. Ich rufe ihn an, sage, dass ich ihm bis zur Hauptstrasse entgegenkomme. Die Strasse auf Muhumba, der Halbbinsel, wo all die Weissen mit den weissen Toyota Landcruisern wohnen, ist total verstopft. Autos qu\u00e4len sich auf der nassen Strasse, die aus Rinnsalen, L\u00f6chern und einer schmierigen Masse besteht, vorw\u00e4rts. Der Beton, der die Fahrbahn bedeckte, hat sich l\u00e4ngst verabschiedet und wohl auch der letzte Arbeiter, der diese Strasse repariert hat. Motorradtaxis schl\u00e4ngeln sich zwischen den Autos durch. Auf dem schmalen Gr\u00fcnbraunstreifen auf den beiden Seiten balancieren wir Fussg\u00e4nger uns an den Autos vorbei.<\/span><\/p><p><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>Die richtige Silbenverteilung<o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Das Studio ist in einem Hinterhof, Prince, der Musiker begr\u00fcsst mich. Er hat die Musik bereits eingespielt und mit den beiden Kollegen auch schon Gesang aufgenommen. Ich h\u00f6re mir das Werk an, mache dann die Anregung, dass der Tonmeister Zwischenteile neu rhythmisiert, sie holpern. Eine Stunde vergeht, dann flutscht der Song.\u00a0<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann nehme ich meine Stimme auf, welche die drei bestehenden erg\u00e4nzen soll. Nicht immer ganz einfach, denn manchmal kann man Silben eines Textes verschieden rhythmisieren.\u00a0\u00a0Beispiel: Eine Zeile des Tanzliedes heisst \u201e\u00a0<i>la main gauche glisse dessus\u201c.\u00a0<\/i>Diesen Text k\u00f6nnte man zur bestehenden Melodie auf mindestens drei verschiedene Arten phrasieren:<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><i>\u00a0<\/i>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201ela main gausch<b>e<\/b>\u00a0gliss dess\u00fc\u201c\u00a0<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; text-indent: 35.4pt; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u201ela main gosch gliss<b>e<\/b>\u00a0dess\u00fc\u201c<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; text-indent: 35.4pt; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201ela main gosch (Achtelpause) gliss dess\u00fc\u201c<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Es gilt also jedes Mal die genau gleiche Rhytmisierung zu finden, eine \u201eNifeliarbeit\u201c, die bei einem ganzen Lied Stunden dauern kann. Wir haben wenig Zeit, nach drei Stunden haben wir eine sosolala-Version im Kasten, bzw. im Computer. Ich bin beim Abh\u00f6ren der ersten Abmischung zur\u00fcck in meinem Zimmer nicht ganz gl\u00fccklich, warte aber mal ab, wie die Schlussmischung t\u00f6nen wird. Und ich nehme die Rohdaten auf einem USB Stick mit nach Hause. Vielleicht gebe ich Rolf Stauffacher, dem genialen Tonmeister aus Frauenfeld (<span lang=\"FR\"><a href=\"http:\/\/www.producer.ch\/\" style=\"color: purple; text-decoration: underline;\"><span lang=\"DE\">www.producer.ch<\/span><\/a><\/span>) den Auftrag, das Ganze nachzumischen. Er hat drei unserer Galgev\u00f6gel-Alben produziert und arbeitet mit vielen Gr\u00f6ssen des Schweizer Musikmarktes zusammen (Patent Ochsner, Trauffer, G\u00f6l\u00e4).<\/span><\/p><p><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><b>Eine L\u00f6sung f\u00fcr eine alte Schuld?<o:p><\/o:p><\/b><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Wie ich aus dem Studio komme ruft mich Venant an, ein fr\u00fcherer lokaler Mitarbeiter. Er sagt mir er warte in der Unterkunft schon \u00fcber eine Stunde auf mich. Am liebsten h\u00e4tte ich erwidert: \u201eund wir warten seit 4 Jahren darauf, dass Du uns den Kredit zur\u00fcckzahlst, den du von uns erhalten hast um ein Haus zu bauen!\u201c Ich verkneife es mir, vielleicht finden wir eine L\u00f6sung mit Hilfe von Sosth\u00e8ne Birali, der mein und auch Venants langj\u00e4hriger Freund ist. Die Begr\u00fcssung ist herzlich. Ich frage Venant, warum der im letzten Jahr ausgehandelte Vertrag nicht erf\u00fcllt wurde. Mit seinem Schulleiter hatten wir besprochen, dass er Venant jeden Monat 50 Dollar vom Lohn abzieht. Dann kommen viele Erkl\u00e4rungen: die Kinder, die studieren, unsre Leute, die das Geld nicht abgeholt h\u00e4tten. Sosth\u00e8ne ein geduldigerer Verhandler als ich, macht dann den Vorschlag: \u201eVenant, Du musst die Sache jetzt endlich bereinigen, Du hast einen Vertrag unterschrieben, der besagt, dass der Verein Maendeleo Dein Haus verkaufen kann, wenn Du nicht regelm\u00e4ssig bezahlst. Ich schlage vor, dass Du Dein Erbe an Zahlung gibst, ein St\u00fcck Land in Ikoma, damit kannst Du die halbe Schuld tilgen, den Rest zahlst Du in monatlichen Raten\u201c. Venant scheint nicht ganz abgeneigt. Ich mache dann den Vorschlag: \u201eLassen wir die Zahlungen, die Schuld ist getilgt, wenn wir im Besitz des Bodens sind und der amtlich verschrieben ist\u201c. Venant stimmt zu, er sagt, er teile das seiner Familie mit, wir k\u00f6nnten das Gesch\u00e4ft n\u00e4chste Woche abwickeln. Vielleicht klappt\u2019s diesmal. Wir k\u00f6nnen es uns nicht leisten Tausende Franken, die dem Projekt geh\u00f6ren, einfach so zu verschenken.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Vielleicht wird dieser Freitag, der 13. zum Schuldentilgungsgl\u00fcckstag.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Zu Hause angekommen, versuche ich Fiston zu erreichen, um ihm von gestern zu erz\u00e4hlen, ihn zu fragen, wann er am Wochenende frei hat, damit wir die verbliebenen Tage zu planen, das Telefon schrillt, die Damenstimme am Telefon erkl\u00e4rt: Das Telefon ihres Korrespondenten ist ausgeschaltet oder ausserhalb des Netzes&#8230;..<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><o:p>\u00a0<\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"color: #339966;\">Tag 12: Samstag, 14. Dezember &#8211; Erzwungener Ruhetag<\/span><\/strong><\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"color: #339966;\"><br \/><\/span><\/strong><\/span><o:p><\/o:p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ich erwache wieder mal um drei Uhr nachts, w\u00e4lze mich eine Weile, ziehe dann einen Pulli \u00fcber, schreibe die Ereignisse und Beschl\u00fcsse der letzten Tage auf. Um halb 5 schicke ich sie an die lokalen Mitarbeiter. Ich checke whatsapp, lese, dass Fiston dringend verreisen musste und erst am Montag zur\u00fcckkommt, Nielsen ist \u00fcbers Wochenende mit dem Schnellboot nach Goma gefahren, wo seine Familie wohnt.\u00a0<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Bein n\u00e4chsten whatsapp-Check kurz vor sieben, erfahre ich, dass Fatou, die Koordinatorin von Skat, nicht nach Bukavu kommen kann. Ich kontaktiere sie, wir vereinbaren, dass ich am Donnerstag nach Kigali komme, und im Hauptb\u00fcro ein MoU (Memorandum of Understanding)\u00a0\u00a0unterschreiben kann, dass unsre Zusammenarbeit beim Bau beschreibt. \u201eKannst Du\u2019s auf Franz\u00f6sisch abfassen, dass es unsre Mitarbeiter auch lesen k\u00f6nnen\u201c \u2013 \u201eklar doch, no problem\u201c. FmF \u2013 Fatou macht Freude, denke ich.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann den Flug nach Kigali buchen, auch ein Hotelzimmer bei Andr\u00e9, einem Schweizer Architekten, der seit 30 Jahren in Kigali lebt. Er hat noch ein Zimmer und schl\u00e4gt vor, dass wir zusammen essen gehen am Donnerstagabend.<\/span><o:p><\/o:p><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Und jetzt also: Ein Wochenende, wo nicht viel gehen wird, also ausruhen, Tagebuch schreiben, dann Endspurt n\u00e4chste Woche, denn mir bleiben danach noch ganze drei Tage hier in Bukavu.<\/span><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><strong style=\"color: #339966; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><br \/>Tag 13: Sonntag, 15. Dezember &#8211; Ruhetag<\/strong><\/p><p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Arial, sans-serif; caret-color: #000000; color: #000000; line-height: 24px;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #3c4858;\"><br \/>Der Tagebuchschreiber ruht sich aus!<\/span><\/p><div><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Es bleiben noch drei Arbeitstage in Bukavu, dann Treffen mit SKAT in Kigali, sollte reichen, um das meiste auf die Reihe zu bringen.<\/span><\/div><div><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u00a0<\/span><\/div><div><\/div><div><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"color: #339966;\">Tag 14: Montag, 16. Dezember &#8211; Video-Dreh \u00ab\u00a0Genoux crois\u00e9s\u00a0\u00bb<\/span><\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"color: #339966;\"><\/span><\/strong>Um 11h war abgemacht, kurz nach 12 ist die Crew zusammen: 2 Kameram\u00e4nner, 3 Mann der Band, sie bringen noch einen sehr guten T\u00e4nzer mit. Da der eine Kameramann und der T\u00e4nzer das Lied noch nicht kennen, stellen wir Idee, Text, Musik vor und zeigen die Tanzfigur. Sofort versucht der T\u00e4nzer die Figur zu imitieren. Es gelingt ihm auch nach l\u00e4ngerem \u00dcben und Vormachen nicht, die Knie so zu bewegen, dass die H\u00e4nde sich quasi unsichtbar auf den Knien kreuzen, sie bewegen sich irgendwie&#8230; Aber auch bei ihm, er m\u00f6chte es lernen, es k\u00f6nnen.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann besprechen wir, was wir wo filmen wollen. Die Idee der Eingangs-Szene\u00a0: <em>Venez dansez la danse \u00ab\u00a0genoux crois\u00e9s\u00a0\u00bb<\/em>. Da m\u00fcsste man Leute zum Tanzen bringen. Also einige tanzen die Figur zur Musik, einer animiert Leute, es uns gleichzutun. Also probieren wir das ein paar Mal, diskutieren, wie das gefilmt werden kann. Sch\u00f6n w\u00e4re, das Ganze auf einer belebten Strasse zu drehen, <em>on va voir.<\/em><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Zuerst drehen wir aber das ganze Lied ein paar Mal im Hof der Xaverianer, die zwei Stunden vergehen im Flug. Dann ist einiges Brauchbares im Kasten und Prince Solo, der Gitarrist, schon total ersch\u00f6pft. \u201eMehr Sport, weniger Bier\u201c, necke ich ihn. Alle drei Musiker haben in den 9 Jahren, seit ich sie kenne, einiges an Kilos zugelegt. Wir beschliessen, jetzt wirklich auf einer belebten Strasse filmen zu gehen. Prince darf mit dem Auto der Kameraleute fahren, die andern laufen die 20 Minuten zur Place Mulamba. Wie wir ankommen, stehen die Kameras schon, mitten auf der belebten Strasse im Abendverkehr. Autos hupen, Taxi-Motos bleiben stehen, Verkehrsstau. Wie wir zu tanzen beginnen sind rasch 30-40 Leute um uns herum. Die einen lachen, sind aufgestellt, da ist was los. Andere sind ver\u00e4rgert, weil sie mit ihren Autos nicht mehr durch kommen. Ein \u00e4lterer Polizist erscheint. \u201eOu, was kommt jetzt\u201c, denke ich. Er bleibt freundlich, m\u00f6chte wohl auch sehen, was da laufen soll. Ich dr\u00fccke ihm paar Scheine in die Hand, der Fall ist gekl\u00e4rt, wir filmen weiter. Dann kommt auch noch der Bourgermester(der Quartierchef), um sich das Ganze anzusehen. Er findet das auch gut, wir filmen, die Zuschauer versuchen, die Figur nachzumachen, einigen Jungen gelingt es sofort, also hole ich sie, tanze mit ihnen&#8230; Nach 20 Minuten haben wir gute Szenen im Kasten. Dann m\u00fcssen wir die Strasse wieder dem Verkehr \u00fcberlassen.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann filmen wir noch auf einem Haus, das noch nicht fertig gebaut ist. Wieder kommen sofort Schaulustige, Kinder, M\u00e4nner,\u00a0 wenige Frauen. Ich versuche, Frauen zu animieren mitzumachen. Keine Chance. Nach Dreh-Ende spreche ich das Problem an, wir haben noch keine Frauen gefilmt. Stirnrunzeln, \u201emmh, mmh, geht nicht, da brauchen wir Geld\u201c. \u201eGeld wof\u00fcr?\u201c \u2013 \u201eDass sie tanzen kommen, Frauen tanzen bei uns nicht\u201c \u2013 \u201edamit sie doch kommen?\u201c\u00a0 \u201e20 Dollar \u2013 pro Person\u201c. Langes Palaver mit den Musikern, dann meint der T\u00e4nzer, dass er vielleicht zwei Frauen organisieren k\u00f6nne, f\u00fcr je 10 USD. Ich lerne wieder Neues: Die M\u00e4nner tanzen, machen sofort mit, die Frauen nicht. Dann versuchter Abgang, ich dr\u00fccke den Buben, die mitgetanzt haben, 1000 Francs (60 Rappen) in die H\u00e4nde. Darauf will jeder, auch wenn er nur zugeschaut hat, auch sein Geld. Die Kollegen wimmeln sie ab. Wir treffen uns also morgen um 13h wieder, mit Frauen, <em>on verra.<\/em><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Nach der Arbeit kommt Buchhalter Nielsen vorbei, ich bringe ihn auf den letzten Stand. Wir einigen uns darauf, dass sich morgen unsere Leute vor Ort um 17 Uhr treffen, \u00fcbermorgen reise ich schon wieder ab, vieles ist noch im Hellgrauen. Vielleicht sehen wir \u00fcbermorgen trotzdem heller, wenn wir auch noch die Leute getroffen haben, die eine Solaranlage in unsrer Schule bauen k\u00f6nnten.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #339966;\"><strong>Tag 15: Dienstag, 17. Dezember \u2013 vorletzter Tag in Bukavu<\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Die Zeit l\u00e4uft, noch zwei Tage. So um zwei sind alle Musiker eingetrudelt, wir wollen ja das Video \u201eLes Genoux Crois\u00e9es\u201c fertig drehen. \u201eUnd wo sind jetzt die Frauen, die auf unserm Video tanzen sollen?\u201c \u201eAh, die sind noch in der Schule, ich rufe sie an\u201c, meint der T\u00e4nzer. Um 16 Uhr wollen sie da sein, Treffpunkt vor der grossen Kirche \u2013 am gleichen Ort, wo wir schon vor Jahren drehten f\u00fcr das Video zu \u201eBlablabla\u201c. Die zwei Ladies kommen dann doch fr\u00fcher, haben sich sch\u00f6n gemacht f\u00fcr ihre Video-Premiere. Prince erkl\u00e4rt ihnen worum es geht, sie \u00fcben, ich zeige auch nochmals, wie man die H\u00e4nde \u00fcberkreuzt\u2026<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Wieder bleiben viele Leute stehen, einige versuchen es uns nach zu machen. Ich denke, dass Lied und\u00a0 \u201eTanz\u201c funktionieren k\u00f6nnten, wenn das Video, das Bertin zusammenschneidet, entdeckt wird. Ein zweiter Drehort f\u00e4llt nach langem Palaver ins Wasser, beziehungsweise in den Teer. Wir wollten noch auf der gesperrten Strasse drehen, dort wird asphaltiert, wir reden mit den Bauleuten. Ja, vielleicht 5 Minuten, wir lassen\u2019s dann doch bleiben. <\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Letzte Sitzung mit dem Team<br \/><\/strong>Ich dr\u00e4nge zum Aufbruch, um 17h Uhr habe ich Sitzung mit unseren Leuten. Es wird dann 18.20h, bis alle da sind. Ich werde manchmal gefragt, was ich von Afrika mitnehme. \u201eIch habe gelernt zu warten\u201c, sage ich dann. Stimmt, in Afrika komme ich nach ein paar Tagen in den Warten-macht-nichts-modus. Aber schon auf dem Heimflug, z.B. in Nairobi, rege ich mich auf, wenn der Scheissflieger zu sp\u00e4t kommt&#8230;<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">In der Sitzung mit einem Juristen reden wir dar\u00fcber, wie wir die Statuten unserer Organisation so anpassen k\u00f6nnen, dass wir unsre Schule dereinst \u00fcbergeben k\u00f6nnen, ohne dass sie in falsche H\u00e4nde geraten kann. Er will die Unterlagen lesen und dann sehen, wie viel Arbeit das gibt. Ich dr\u00e4nge darauf, dass er auch ganz klar sagt, was uns das Ganze kosten wird. Dann l\u00e4ngere Diskussion, welche Aufgaben Bertin, der Videojournalist, \u00fcbernehmen k\u00f6nnte, wenn unser Buchhalter nach Goma zieht und nur noch selten in Bukavu ist. Dann essen wir bei den Missionaren, beschliessen dann, dass wir uns morgen nochmals treffen. Ob ich noch etwas <em>force\u00a0<\/em>h\u00e4tte, fragt Nielsen. Mit <em>\u201eforce\u201c <\/em>meint er, ob ich noch Geld habe, um sie zum Essen einzuladen. Ich denke: \u201ew\u00e4re doch sch\u00f6n, wenn sie mal mich einladen w\u00fcrden\u201c. <\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Zwei Lohnwelten treffen aufeinander<br \/><\/strong>Fiston und Nielsen verdienen f\u00fcr kongolesische Verh\u00e4ltnisse sehr gut, sie arbeiten beide bei internationalen NGO\u2019s, verdienen dort im Monat etwa 30x so viel wie die Lehrer unsrer Schule, von uns erhalten sie auch noch etwa einen halben Monatslohn dazu. Ungerecht? \u2013jedenfalls unverst\u00e4ndlich, warum ist das so? Weil hier zwei Welten aufeinandertreffen. In der Schweiz verdient eine Primar-Lehrperson bald mal 7000 Franken, im Kongo neuerdings statt 70 immerhin 100 Franken. Wenn dieser Lehrer aus dem Norden nun in der Entwicklungshilfe arbeitet, so verdient er im Regelfall immer noch den Lohn seines Heimatlandes, also etwa 70 Mal den einheimischen Lehrerlohn. Problem jetzt: Wieviel zahlt eine internationale NGO einem lokalen Mitarbeiter, der durchaus fr\u00fcher auch Lehrer gewesen sein kann? 140 Franken, also den doppelten Lohn \u2013 geht wohl nicht, das w\u00e4re ja immer noch 1:35, also erh\u00e4lt ein lokaler Mitarbeiter vielleicht 2000 Franken Lohn. Das ist immer noch kaum ein Drittel des \u201eExpats\u201c aus der Schweiz, aber 20 Mal mehr als er vorher als Lehrer verdient hat. Ungerecht?<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ich habe hier von 2008 bis 2010 als \u201edeutscher Entwicklungshelfer\u201c (f\u00fcr Eirene Deutschland) gearbeitet, mit einem Lohn von 600 Euro, sp\u00e4ter 1000 Euro (plus Unterkunft und Auto).<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #339966;\"><strong>Tag 16: Mittwoch, 17. Dezember &#8211; letzter Tag in Bukavu<\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ich m\u00f6chte nochmals eine Tour durch die Stadt machen, Leute treffen. Auf dem lokalen SKAT-B\u00fcro sind die Leute, die ich suche, nicht da. Bei Radio Maendeleo treffe ich Sosth\u00e8ne, er war in den Gr\u00fcnderjahren unsrer Schule sehr aktiv, hat sich jetzt aber stark zur\u00fcckgezogen. Warum genau, erfahre ich auch in diesem Gespr\u00e4ch nicht. Er will aber an die Sitzung kommen. Er hat frisch geernteten Kaffee finden k\u00f6nnen, ein Weihnachtsgeschenk f\u00fcr einen Kaffee-Enthusiasten zu Hause, der ihn selber r\u00f6sten will.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Zakars unendliche Geschichte <br \/><\/strong>Dann weiter zu Zakar, dem Gitarrenbauer. Ich frage ihn, ob er die versprochene Gitarre gebaut habe. Und schon wieder beginnt er mir zu erkl\u00e4ren, warum das leider\u2026.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ich unterbreche ihn, schlage ihm vor, einen Text aufzusetzen. Zakar steht in unsrer Schuld. Vor 5 Jahren kam er zu uns, erz\u00e4hlte, der Dorfchef habe ihn gefragt, ob er einen Landtitel habe, der best\u00e4tigt, dass das Land, auf dem sein Haus steht, ihm geh\u00f6rt. Den hatte er nicht, weil seine Familie seit f\u00fcnf Generationen hier wohnt. Das Land hatten sie damals vom Dorfchef bekommen, da gab\u2019s nichts Schriftliches. Das weiss der jetzige Dorfchef genau, nur hat er eben einen K\u00e4ufer, der Zakars Land kaufen w\u00fcrde. <\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Wir kaufen dann das Land, Zakar darf drauf wohnen bleiben. Die 1500 USD kann er zur\u00fcckzahlen oder abarbeiten, indem er Gitarren baut, die wir verkaufen. Im Vertrag von damals steht auch, dass er uns die H\u00e4lfte seines Landes abtritt, wenn er seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Er unterschreibt ein neues Papier, in dem er nochmals verspricht Gitarren zu bauen, und wenn es nicht klappt, geh\u00f6re das Land uns. Und was wird er wohl tun? M\u00f6glicherweise wieder nichts. Weil er darauf spekuliert, dass wir auch n\u00e4chstes Jahr wieder Erbarmen haben mit dem armen Zakar und seinen 12 Kindern&#8230; Und Zakar hat grosse Vorbilder. Afrikanische Staatschefs borgen sich auch Geld von der Weltbank, zahlen dann nichts, und wenn der Schuldendienst gleich hoch ist, wie die Summe, die sie erhalten haben, hoffen auch sie, dass die Weltbank ein Einsehen hat und die Schulden erl\u00e4sst. Was dann durchaus passieren kann. <\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Schneider Muganza<br \/><\/strong>Erfreulich wie immer dann der Besuch beim Schneider Muganza. Er hat einen Kollegen zu sich bestellt, der n\u00e4chstes Jahr ein Logo auf die Uniformen drucken k\u00f6nnte, die wir den Sch\u00fclern aus Anlass des 10j\u00e4hrigen Bestehens schenken wollen. Wir machen ab, dass wir im Januar eine Anzahlung machen, damit Muganza Stoff kaufen kann, um zusammen mit seiner Frau 250 Uniformen zu n\u00e4hen auf seiner Singer-Tretmaschine. Diese kann man in Afrika noch immer kaufen. 6 USD solle eine Uniform kosten aus Hemd\/Bluse und Hose\/Rock, dazu 1 USD f\u00fcr das Logo.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><strong>Sauberes und dreckiges Geld <br \/><\/strong>Warum schreibt der eigentlich ich immer von USD, also amerikanischen Dollars, denken Sie vielleicht. Der Kongo hat seit der Zeit von Mobutu zwei W\u00e4hrungen. Als er 1971 den Kongo in Za\u00efre umbenannte, f\u00fchrte er auch eine neue W\u00e4hrung ein: den Za\u00efre. Ein Za\u00efre entsprach damals einem Dollar. Durch Mobutus Miss- und In-die-eigene-Tasche-Wirtschaft fiel der Kurs. Mit dem Verschwinden Mobutus verschwand auch der Za\u00efre, er wurde zum <em>Franc congolais (FC) <\/em>und der Kurs sank weiter. Als ich 2008 in den Kongo kam, gab es f\u00fcr einen USD 900 <em>francs congolais, <\/em>der Kurs blieb einige Jahre stabil, im Dezember 2019 erhalte ich f\u00fcr einen Dollar 1600 FC. Das f\u00fchrt dazu, dass man im Kongo kleine Ausgaben in FC\u00a0 t\u00e4tigt, gr\u00f6ssere in USD.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Die Kongofranken tr\u00e4gt man in einem B\u00fcndel in der Tasche, sie gehen durch Tausende H\u00e4nde und bleiben so lange im Umlauf, bis man auf den lampigen Papierfetzen mit dem typischen Geldgeruch eigentlich gar nichts mehr erkennen kann.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">USD hingegen d\u00fcrfen nicht das kleinste Risschen haben. Gepr\u00fcft wird das dann, indem man den Schein sieben Mal dreht, gegen die Sonne h\u00e4lt auf der Suche nach einem Makel. Entdeckt man das klitzekleinste Risschen, gibt man den Schein dem Muzungu emp\u00f6rt zur\u00fcck. Dieser gew\u00f6hnt sich daran und verlangt in der Schweizer Bank ausdr\u00fccklich neue ungebrauchte Scheine, tja Ordnung muss ein.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">W\u00e4hrend ich das schreibe, mit Blick auf den Kivu See, ist es 17 Uhr vorbei, wir hatten ja gestern abgemacht 17 Uhr, <em>nespa<\/em>, und im Kongo kann ich ja warten!<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Naja, 18 ist doch auch gut. Wir diskutieren ein letztes Mal, Aufgabenverteilung, Kommunikation mit uns in der Schweiz. Wir haben auch Barton eingeladen, er ist Cheftechniker bei Radio Maendeleo. Er hat schon viele Solar-Anlagen installiert, er ist bereit, sich der geplanten Anlage bei uns anzunehmen. Willkommen in der Familie Milondola, Barton!<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann Abschiedsessen beim Inder, \u201emeine\u201c Kongolesen h\u00e4tten wohl lieber Fufu, Mais- oder Maniokpaste&#8230; Nach erstem Z\u00f6gern langen sie dann doch zu. Heimfahrt in Fistons neuem Auto, ein imposanter SUV, passt hierher, denn ohne Allradantrieb w\u00e4re es nicht m\u00f6glich, zu unsrer Schule zu fahren. Als Personen- und Warentransporter ist die Karre ideal. Herzlicher Abschied.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #339966;\"><strong>Tag 17: Donnerstag 19. Dezember \u2013 nach Kigali<\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Schon kurz nach 6 Uhr steht Nielsen vor der T\u00fcre, mit allen Rechnungsbelegen f\u00fcr 2019 und um halb sieben \u2013 fr\u00fcher als abgemacht &#8211; kommt auch Bertin, um mich zum Flughafen Kamembe in Ruanda zu fahren. Flug \u00fcber die pr\u00e4chtige Seen- und H\u00fcgellandschaft nach Ruandas Hauptstadt Kigali. Der DEZA-Chef nimmt mich dann mit ins Zentrum, ich steige ab im Hotel von Andr\u00e9 Tanner, einem Schweizer Architekten, der seit Jahrzehnten in Kigali wohnt und arbeitet. Am Nachmittag werde ich abgeholt von einem Fahrer von SKAT. In der SKAT-Zentrale, einer weissen Villa, besprechen wir das Bauvorhaben mit Fatou und zwei ihrer Mitarbeiter, Jean-Martin und Pierre. Fast zwei Stunden dauert die Diskussion, wir kommen zum Schluss, dass unsere Finanzen nur reichen, um eine Erweiterung f\u00fcr die Schule zu bauen. Der grosse Saal, von dem die Leute in Ikoma tr\u00e4umen, liegt nicht drin. Wir beschliessen, dass sich Jean-Martin und Pierre im Januar die Schule ansehen, danach entscheiden wir gemeinsam, wo das neue Geb\u00e4ude zu stehen kommt auf dem Land, das wir dazu kaufen konnten. Dann entscheidet sich auch, welche Gel\u00e4ndearbeiten n\u00f6tig sind, damit aus der alten Anlage und dem zugekauften Land eine Einheit wird. <\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Herzlicher Abschied, am Abend gehe ich essen mit Andr\u00e9 beim Indonesier, die Portionen sind riesig, Andr\u00e9 l\u00e4sst die Resten einpacken, die geben noch ein Nachtessen f\u00fcr seine W\u00e4chter.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt; color: #339966;\"><strong>Tag 18: Freitag, 20. Dezember \u2013 Smartphone Made in Rwanda, Heimflug<\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Am Morgen Erwachen in der gepflegten Hotelanlage, Vogelgesang, Zmorge-Service durch Anatol: ein gertenschlanker, diskreter, zuvorkommender \u00e4lterer Herr, weisse Bluse, akkurat geb\u00fcgelte schwarze Hose, wie aus einem Film aus der Kolonialzeit. Er arbeitet seit \u00fcber 20 Jahren als Fr\u00fchst\u00fcckskellner f\u00fcr Andr\u00e9, steht um vier Uhr auf, ist dann zwei Stunden zu Fuss unterwegs zum Hotel, richtet alles perfekt her f\u00fcr den Gast, br\u00e4t das bestellte Omelett, r\u00e4umt alles auf verabschiedet sich von mir: \u201eBis zum n\u00e4chsten Jahr\u201c.<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Dann noch in die Stadt, ich finde einige Geschenke f\u00fcr zu Hause und erstehe ein Smartphone f\u00fcr Freund Ruedi. Es ist nicht irgendein Smartphone, sondern das erste Smartphone \u201eMade in Afrika\u201c, in Ruanda. Auf dem Flughafen kaufe ich noch einen Whisky, ebenfalls \u201eMade in Ruanda\u201c. In diesem Land geht etwas, Pr\u00e4sident Kagame hat Visionen, wie er sein Land entwickeln will und er setzt seine Pl\u00e4ne um, mit grosser Konsequenz. Vor einem Jahr sagte ein Insider: \u201eJa, es geht voran in Ruanda, aber es verschwinden zu viele Leute!\u201c Dann zum Flughafen in einem VW Passat, auch Made in Ruanda. Ruhiger Heimflug &#8211; out oft Africa\u2026 \u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u00a0<\/span><\/p><\/div>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagebuch (mit Bildern) herunterladen Tag 1:&nbsp;Dienstag, 3. Dezember 2019 &#8211; Ankommen im Kongo Ankunft in Bukavu Via Kigali bin ich in Bukavu angekommen. Ein Fahrer hat mich an der Grenze abgeholt und zu den Fr\u00e8res Xav\u00e9rien gebracht. 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