Ein Haus für Treue zu unsrer Schule

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Letztes Jahr wurde unsere Schule 10 Jahre alt. Feiern konnten wir das ja nicht. Deshalb erhielten alle LehrerInnen und der Wächter 1000 USD als Prämie für über 10 Jahre treuen Einsatz für die Primarschule Milondola. Bedingung war, dass sie das Geld für ein Projekt nutzen. Wir wollten, dass sie das Geld wirklich für sich und ihre eigene Familie brauchen. Denn unsre LehrerInnen gehören zu den wenigen Prozent KongolesInnen, die regelmässig einen Lohn beziehen. Hätte es sich in ihren Grossfamilien herumgesprochen, dass die LehrerInnen einen ganzen Jahreslohn zusätzlich erhalten haben, wären sie von ihren zahlreichen Brüdern, Schwestern, und andern Verwandten um Hilfe angegangen worden. Da es im Kongo kaum Jobs, keine Arbeitslosen- oder Sozialhilfe gibt, ist es normal, dass man in der Grossfamilie hilft. Hansjörg Enz weiss von afrikanische Kollegen, die 20 bis 50 Prozent ihres Einkommens abgeben für Arztrechnungen für Tante und Onkel oder Studiengebühren von Cousins und Cousinen .

Landkauf à la Congolaise
Einige LehrerInnen kauften ein Stück Land um darauf zu pflanzen oder später einmal zu bauen. Im Kongo ist das Land noch kaum vermessen mit Katastern, wo genau verzeichnet ist, wem welches Land gehört. Der Landverkauf geht traditionell so vonstatten: Das Stück Land wird ausgemessen. Auf der Verkaufs-Urkunde wird dann aufgeschrieben, wer das Land abtritt und wer das Land kauft. Es wird notiert, wem das Land im Osten, Westen, Norden und Süden gehört, das an das verkaufte Land anschliesst. Käufer und Verkäufer bringen dann je 4 Zeugen, die mit ihrer Unterschrift die Rechtmässigkeit des Verkaufs bestätigen. Dieses Verfahren gibt dem neuen Besitzer eine gewisse Sicherheit, nur: solche Verträge können leicht gefälscht werden. Mehr Sicherheit gibt es, wenn staatliche Stellen den Kauf beurkunden. Dafür verlangen diese aber derzeit etwa 600 USD, das ist im Fall unsres Lehrers François fast gleich viel wie das Land gekostet hat!

Ein Haus für 1000 Dollar
Vier LehrerInnen und der Wächter investierten in den Hausbau. Schulleiterin Nabintu konnte einen Anbau an ihr Haus realisieren. Françoise, Lehrerin der zweiten Klasse, legte auch selbst Hand an, so gelang es ihr, mit den Tausend Dollar zusammen mit ihrem Mann ein „schmuckes“ Haus fast fertig zu bauen. Auch andere konnten ihren Traum nicht ganz realisieren. Wir beschlossen deshalb, dass wir den LehrerInnen den zusätzlichen Beitrag zum staatlichen Lohn, den wir ab diesem Jahr zahlen, auf einmal ausrichten. Das erlaubt z.B. Françoise, für ihr Haus auch noch Fenster und Türen zu kaufen.    

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