Corona-Virus: Kommt der Kongo glimpflich davon?
Am 7. Mai gab es im Kongo unter 80 Millionen Einwohnern rund 800 an Corona Erkrankte. Mitte April, fünf Wochen nach dem ersten entdeckten Fall, waren es rund 300. Sollten diese Zahlen einigermassen stimmen, so verläuft die Epidemie im Kongo viel milder als in europäischen Ländern. Die Schweiz verzeichnete fünf Wochen nach dem ersten Fall bereits 15 000 Fälle, Deutschland mit ungefähr gleich vielen Einwohnerinnen wie der Kongo 35 000. Wird die Corona-Epidemie den Kongo also weniger treffen? Der deutsche Virologe Alexander Kekulé glaubt zu wissen, dass das Virus in wärmeren Ländern schwächer werde, das wäre eine Chance Länder wie dem Kongo? Andere Forscher meinen auch, eine Art Tuberkulose-Impfung, die in Afrika verabreicht wird, baue eine gewisse Corona-Abwehr im Körper auf, das gleiche gelte auch für Malaria-Medikamente, die viele Menschen in Afrika nehmen, wo diese Krankheit Alltag ist. Die kongolesische Regierung hat auch früh Grenzen und Flughäfen geschlossen. Zudem können Menschen im Kongo viel weniger reisen, das Strassennetz ist in katastrophalem Zustand, etwa die Hälfte des Landes ist auf der Strasse nicht mehr zu erreichen, also reist auch das Virus weniger. Der Kongo hat auch eine sehr junge Bevölkerung, das Durchschnittsalter (Median) beträgt 18 Jahre, und jungen Menschen kann das Virus weniger anhaben. Helfen könnte auch, dass Teile der Bevölkerung Erfahrung haben mit Ebola, dem Virus, das im Kongo immer noch Opfer fordert.

Schlechte Rahmenbedingungen
Der erfahrene kongolesische Virologe Dr. Jean-Jacques Muyembe warnt allerdings vor zu viel Optimismus, er meint die Zahl könnte schnell stark steigen.
Sollte das Virus sich doch noch im grossen Stil verbreiten, kann es dramatisch werden, denn das kongolesische Gesundheitssystem ist sehr schwach und die Menschen in den „cartiers populairs“, den Armenquartieren der grossen Städte, leben nah aufeinander; Familien mit 10 Kindern wohnen in Hütten mit einem oder zwei Räumen.
Zudem dürfte das Immunsystem vieler Menschen auf Grund von Mangel-Ernährung wenig widerstandsfähig sein. Viele KongolesInnen können sich gerade mal einmal (1x !) im Tag eine Portion Fufu leisten, einen Maniok- oder Maisbrei, dazu vielleicht etwas Bohnen. Im Kongo könnten also auch viel mehr Junge, auch Kinder, am Corona-Virus sterben als bei uns. Dennoch: lasst uns hoffen – und die KongolesInnen würden sagen – „auf Gott vertrauen!“